Grenzprobleme in Miami

Eigentlich habe ich nicht wirklich daran geglaubt von Jamaica noch nach Miami zu kommen, aber mein Glück war mir hold, als ich in Savanna-la-Mar kürzlich Flugtickets nach Miami gekauft habe. Ich habe mir schon vor einiger Zeit überlegt, meinen Jamaica- Aufenthalt doch mit dem einen oder anderen Kurztrip zu kombinieren. Was liegt da näher als einfach mal nach Miami zu fliegen. Eigentlich nur eine fixe Idee von mir (ich wollte eine alte Bekannte besuchen, die sich derzeit in Florida aufhält), allerdings sollte aus der Idee ganz schnell Wahrheit werden. Als ich den Flugpreis gesehen habe… Wohlgemerkt im Reisebüro in Jamaika hat die nette Verkäuferin mir 3 Tage vor Abflug doch tatsächlich einen Preis von nur knapp 150 Euro in den Rechner getippt? Das nenne ich Glück. Der Last-Minute Preis war verfügbar und es sollte 4 Tage nach Miami gehen. Ich habe dort zwar kein Hotel und kenne mich nicht aus, aber das wird schon. Erstmal reinkommen nach Miami Ich habe zwar gelesen, dass man ein Hotel braucht, wenn man in America als Tourist einreisen will, aber das wird schon. Die nette (hübsche) Dame im Reisebüro hat mir sogar noch eine Art Buchungsbestätigung ausgedruckt. Notfalls hätte ich das Hotel halt telefonisch gebucht. Soweit mein Plan. Gebucht, bezahlt und dank einem da schon guten Dollarkurs auch gut gespart.
Nachdem ich das ganze dann dem Hotschi erzählt habe, wollte er erst nicht mit, allerdings hat er sich dann trotzdem dazu entschieden. Schön, weil ich nicht wirklich alleine fahren wollte. Also ging es kurze Zeit später nach Miami. Unser Fahrer Dave hat uns pünktlich wie wohl kein anderer Jamaikaner um 4 Uhr früh abgeholt und nach MontegoBay zum Flughafen geschafft. Schon vor 6 waren wir dort, das rechne ich mal zur Rekordzeit WaterCress – MoBay. Nach warten auf dem Flieger (puh sogar ein Airbus) ging es auch schon weg von der Insel. Man glaubt es gar nicht aber bei AirJamaica gibt es zum Essen Champagner. Das soll man mal in einer deutschen Fluggesellschaft erleben. Zugegeben, das essen sah echt ein wenig mies aus, aber es hat einigermaßen nach Ei und Bratkartoffel geschmeckt, der Champagner war allerdings echt.

Viel zu kurz war der Flug, direkt weg von Jamaika, über Kuba bis nach Miami, America. Kuba steht ganz sicher nächstes Jahr auf der „Kurztripliste“ – dieses Jahr werde ich es wohl nicht schaffen. Kuba ist schon immer ein Traum von mir, ich habe sogar schon ausführliches Reisematerial, eine Touristenkarte und Infos darüber vorliegen. Ja sogar ein Spanischbuch habe ich mir gekauft, leider aber noch wenig gelernt.
Bleiben wir aber erstmal in Miami. Kurz nach dem Essen wurden die Einreiseformulare ausgeteilt. Das waren insgesamt 3 Stück, eins für Zoll, eins für Homeland und eins als eigentliches Einreiseformular. Nach Fragen zu Adresse, Sitz, Hotel und Herkunft mussten auch Häkchen gesetzt werden, ob wir mit der NS in Verbindung stehen oder Pflanzen ( lol Hanf ) schmuggeln. Der Flughafen von Miami liegt mitten in der Stadt, was wohl in Deutschland gar nicht möglich wäre. Wir sind aber in America, und da ist ja bekanntlich alles möglich. Wirklich? Das sollte sich alsbald schon bei der Einreise zeigen. Von einer Sicht auf schnurgerade Strassen, die Stadt und darauf folgend die Everglades flogen wir über ein etwas mürbe aussehendes Gebiet der Everglades, dort wo immer der Sprit der Flieger vor der Landung abgelassen wird. Kurz darauf sind wir dann butterweich gelandet. Sonne, Hitze und vor uns der Zoll. Vom Flieger aus ging es durch ein modernes Terminal bis hin zur Einwanderungsschleuse. Das ist so ganz und gar nicht Jamaika, das ist pure USA. Was mir gleich zu Beginn auffielt war, das wohl alle Homeland Security Beamten, das sind die amerikanischen Zöllner, unfreundlich guckten. Nicht das wir die Ersten in der Schlange waren, erstmal hieß es warten. Warten darauf, dass wir endlich unsere Fingerabdrücke und Photos abgeben durften. Auf mein freundliches „guten Morgen“ folgte nur ein mürrischer und müde lächelnder Blick eines etwa 25 – 30 Jahre alten Homeland Mannes. „Wer sind Sie?“ – „Urlauber aus Deutschland“ – „Von wo kommen Sie?“ „Jamaika“ – skeptischer Blick, Mustern von oben bis unten, dann räuspern und die Nachfrage was wir denn in Jamaika machen. „Urlaub“. Ich habe mir ja schon in Jamaika gedacht, dass es vllt. Probleme geben wird, wenn 2 Jugendliche aus Jamaika nach America einreisen wollen (Welcher 22 jährige kann sich das schon leisten? – Wir auch nicht, Ihr wisst ja wie billig der Flug war aber das weiß der ja nicht).

RITSCH-RATSCH-RITSCH-KNISTER

Das war nicht der prall mit Alkohol gefüllte Plastiksack des Mannes neben uns, nein das waren unsere mühsam ausgefüllten Einreiseformulare für Homeland, die einfach mal im Papierkorb gelandet sind. So schnell konnten wir gar nicht gucken, da waren unsere Pässe schon an einen herbeigeeilten Officer weitergegeben. „Folgen Sie bitte diesem Mann“ (oder war es eine Frau?). Meine Frage ob es denn Probleme gebe wurde nicht beantwortet.
Wir folgten dem Officer durch die Zollbarriere einen langen Gang entlang, leider nicht wie gewollt zum Ausgang sondern zu einer Art Glastür, die hinter uns zugemacht wurde und die innen einen Knauf hatte. JA ein Knauf, nichts mit wieder hinausgehen. Die Tür war aus Milchglas, der Raum sah aus wie eine kleine Wartehalle mit den entsprechenden Sitzen, etwa 100 Quadratmeter groß. Der Raum war dreieckig, am spitzen Ende fanden sich die Sitzreihen endend, am flachen Ende stand ein Tresen mit glaube ich 6 Officer. Alle samt wieder böse in Ihre Monitore schauend. Ich hab mich ein wenig gefühlt wie ein illegaler Einwanderer. Der oder die Officer mit unseren Pässen war verschwunden. Die einzige Ansprechpartnerin in diesem Raum war eine verschiedensprachig redende Dame, die wahrscheinlich für die Kommunikation mit Fremdsprachlern zuständig war, die kein Englisch konnten. Ich habe gefragt ob Sie weiß was wir hier machen, aber Sie hatte keine Antwort. Die Polizisten an einem angrenzenden schmalen Gang riefen immer wieder Leute in die Hinterzimmer – schon seltsam – aber es hieß warten. Wir waren mit etwa 40 – 60 Leuten in diesem Raum. Von Engländern über Spanier, alte Leute, Rollstuhlfahrer, Jamaikaner, Schwarze, Weiße, Gelbe. Alles bunt gemischt. Für mich war nicht erkennbar was wir dort sollten.

„Mäias Hänse“ – ich hätte nicht gedacht dass er mich meint, hätte der Hotschi mich nicht darauf hingewiesen. Ich stand also auf und folgte dem ebenfalls grimmig grunzenden Officer (sind denn alle Grenzer in America unfreundlich?). Meine Frage, ob er mir sagen könne worum es denn bitte ginge und was wir hier machen blieb leider unbeantwortet. Er muss mir das nicht sagen war die Antwort. Toll. In dem Moment fand ich das nicht wirklich lustig und auch nicht Vertrauenserweckend. Bis zum Ende des Ganges ging es in das hinterste Zimmer rechts, ein kahler Raum mit einem Kerl am Computer. Den habe ich erst einmal zugequatscht, bis er meinte er ist nicht für mich zuständig, der Officer kommt gleich und auch er kann mir nicht sagen worum es geht.
Ich musste meine Tasche leeren. Den Laptop auspacken, iPod, Kamera und Brieftasche ausleeren. Danach hat sich dieser nett aussehende Herr doch echt Gummihandschuhe angezogen. Vor Schreck, dass jetzt gleich nach Drogen gesucht wird, hab ich Ihn darauf hingewiesen das ich doch schreckliche Hämorrhoiden hätte und er bitte vorsichtig sein soll. Da hat er aber geguckt wie ein Auto haha. Scheint gewirkt zu haben, er hat mich nur durchsucht. Dasselbe mit dem Hotschi. Im Prinzip haben die wohl nicht gefunden was Sie gesucht haben, nach einer weiteren Kurzen Sitzpause ging es an einen der Schreibtische, kurze Fragen was wir so arbeiten und machen und dann gab’s die Pässe samt Stempel wieder.

Insgesamt haben wir da wohl mehr als eine Stunde verbracht und fanden das gar nicht lustig, aber ich glaube auch, dass die deutschen Pässe wohl für eine recht schnelle Bearbeitung sorgten. Alle anderen saßen nach uns immer noch dort und als wir unser Gepäck geholt haben, Stand noch der halbe jamaikanische Flieger neben dem Band. Da weiß ich doch wie viele die aus dem Flug da in diesen Sonderraum zur Spezialbehandlung geholt haben.

Aus dem Flughafen herausgekommen, war es erstmal ein Problem da weg zu kommen. Nach einigem Rumgelaufe haben wir dann doch den Shuttle Bus genommen und sind zur sog. Trail/Rail Station gefahren. Von da ging es 2 Stationen mit dem Zug und dann Umsteigen in die Metro. Das ist eine Art silberne U-Bahn die aber auf einer Trasse, einmal quer durch die Stadt verkehrt. Die kommt immer aller 30 Minuten und in der Rush Hour alle 15 Minuten. Von einer etwas heruntergekommenen Vierteil sind wir auf der Suche nach Geldtausch und Hotel erst einmal Richtung Downtown gefahren. Es war schon etwas Suchen, mehrfaches Aussteigen und Widereinsteigen und auch ein bisschen Durchfragen, bis wir endlich an einer nennenswerten Station waren, wo es auch eine Bank gab an der ich endlich Geld tauschen konnte. Also Opas Schecks rausgeholt und getauscht. Doch das ist in America nicht einfach so möglich, nein. Da musst du schon auf jedem Scheck, jeder Quittung und jedem einzelnen Teil des Auftrags unterschreiben. Dann hat die mir noch nicht geglaubt das meine Unterschrift die selbe wie auf den Schecks ist. Also auch noch Fingerabdruck drauf. Bis es endlich mal Geld gab ist fast eine halbe Stunde vergangen. Ich dachte ich glaube es nicht. Und was mir wieder aufgefallen ist: sehr, sehr unfreundliche Leute. Ich weiß nicht ob Miami eine so verkackte Stadt ist und alle dort so sind, aber der Empfang war schon nicht besonders.

Nachdem es Geld gab, galt es ein Hotel zu finden. Ãœberall Hochhäuser, aber findet da mal ein Hotel. Wie wir erst später rausfinden konnten, ist dazu eher Miami Beach der Anlaufpunkt. Miami Beach ist eine Miami vor gelagerte Insel mit Tourismus, Hotels, Miami Ink, Ocean Drive, 17th. Street usw. Wenn Ihr also mal in Miami seid, dann sind die wirklich sehenswerten Sachen eigentlich nur Downtown und Miami Beach.
An sich ist Miami vor allem eins – teuer. Wir haben das zum ersten Mal erst richtig gemerkt, als wir dann nach einigem Laufen in ein Taxi gestiegen sind und zum Fahrer gemeint haben, er soll uns doch ein günstiges Hotel empfehlen. Klasse, der wusste sogar Bescheid. Haha aber das günstigste geht mit 89 Dollar pro Person los. Schön dacht ich mir, dann wird wohl nicht viel mit Stadt erkunden. Schweineteuer für eine Nacht. Doch dann hatte er wohl eine Idee und hat uns zu einem kleinen Hotel gebracht, wo wir es für 50 Dollar bekommen konnten. Da haben sich die 25 Dollar Taxi wirklich bezahlt gemacht. Gelandet waren wir in Miami Beach, relativ weit oben an der 26th Street. Das Hotel hatte ordentliche Zimmer, lag direkt am Strand und hatte sogar Frühstück mit im Preis enthalten. Es gab WLAN, Mamorfußboden und (unfreundliche) Menschen im Fahrstuhl. Welten Unterschied zu Jamaika. Was eine Stunde Flug so ausmachen kann glaubt man gar nicht. Aber sehr gutes Hotel, auch einige Deutsche dort und aufgrund der Nebensaison relativ günstig. Wirklich nett. Ich konnte auch endlich mal richtig etwas arbeiten.

Wir waren also dann doch gut untergekommen, am Strand und draußen Zog ein ordentlicher Hurrikane auf. Die amerikanischen Medien hatten daraus schon ein Spektakel gemacht und spielten halbstündlich Szenen durch, ob er nun in Florida auf Land trifft oder wegzieht. Das Ende vom Lied war übrigens, dass er die Bahamas verwüstet hat. Ordentlich Wind war trotzdem. Wir haben dann in den folgenden Tagen noch eine riesige Pizza gegessen und uns ein wenig umgeschaut. Bald darauf war Passenderweise Halloween, was die verkleideten Girls im Hooters erklärt. Am zweiten Tag sind wir nämlich Richtung Bayside gewandert und immer zwischen den Schauern ein Stück weiter gelaufen. Durch den starken Wind haben sich Sonne und Regen abgewechselt. Warm war es ja dennoch.

An der Bayside finden sich alle möglichen Sehenswürdigkeiten. So haben wir uns den Yachthafen angeschaut, sind die Promenade entlanggelaufen und haben an einer Bar am Tresen schon mittags teueres Bier aus aller Welt getrunken. Na ja die 6 Dollar pro 333ml waren es wert *G*- ich wollte schon immer wissen wie Bier aus Malaysia schmeckt. Von da ging es dann ins Hardrockcafe. Kann man sich mal anschauen, ist mit dem in Berlin nicht zu vergleichen. Riesig. Wir haben dann noch einige Delphine beobachtet und sind ein wenig durch Downtown gelaufen. Am besten erkundet man Downtown Miami mit der kostenfreien MetroMover Bahn. Die MetroRail ist die Bahn durch die ganze Stadt, die ist sehr gut wenn man die Stadt mal sehen will. Der Mover reicht aber aus, der Rest von Miami ist nicht so sehenswert. Ich kann leider über die Clubszene nichts sagen, da das abso

Über Jamaikaboy

Ich bin Idividualreisender, der nach und nach die Welt erkundet. Jamaika war eine meiner ersten Stationen und ich bewundere diese Insel bis heute. Ob Pauschalreisen oder Backpacker, ich möchte mein ganzes Wissen auf dieser Seite bekannt geben.
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