Nationalhelden

Die Nationalhelden Jamaikas

Die Auszeichnung zum Nationalheld ist die größte Form der Ehrung in Jamaika, welche es bereits seit dem Jahr 1969 gibt. Im selben Jahr wurde sie auch an die ersten drei Träger, Paul Bogle, George William Gordon und Marcus Garvey, verliehen und bis heute kamen weitere vier hinzu.

Als Besitzer einer solchen Ehrung erhält man den Orden des Nationalhelden „Order of National Hero“, sowie den Titel „The Right Excellent“. Diese können ausschließlich an Jamaikaner vergeben werden, als Auszeichnung für höchst bemerkenswerte Dienste die das heutige Jamaika formten.

Der Orden hat die Form eines vierzehnzackigen, goldenen Sterns auf einer schwarz emaillierten Medaille, auf dem sich die Flagge Jamaikas und das Motto „He built a city which hath foundations“ befindet.
Bisher erhielten die Auszeichnung zum Nationalhelden:

  • Paul Bogle
  • Alexander Bustamante
  • Marcus Garvey
  • George William Gordon
  • Norman Washington Manley
  • Granny Nanny
  • Samuel Sharpe.

Paul Bogle

The Right Excellent Paul Bogle war ein Baptist und Diakon in der Gegend um Morant Bay auf Jamaika und führte 1865 den Morant-Bay-Aufstand an.
Er wurde in den Jahren zwischen 1815 und 1820 geboren, der Zeit der sklaverei, dessen Ende Bogle1834 miterlebte. Doch die Befreiung brauchte den ehemaligen Sklaven keine Verbesserung ihrer Situation, da die meisten in absoluter Armut lebten. Somit besaßen die meisten auch keine finanziellen Mittel, um an Wahlen teilnehmen zu können. Bogle aber konnte wählen und half der Bevölkerung einen Aufstand vorzubereiten, welcher schließlich am 11.Oktober 1865 ausbrach. Innerhalb einer Woche wurde er aber von ‚Regierungstruppen blutig niedergeschlagen und Bogle verhaftet und mit 353 weiteren Aufständischen hingerichtet. Trotzdem war die Auflehnung nicht umsonst, denn sie führte zur Abberufung des Gouverneurs und damit zu einer Verbesserung der Lebensumstände auf Jamaika. Deswegen wurde Paul Bogle zu einem der ersten Nationalhelden Jamaikas und ist noch heute in aller Munde. Oft ehrten ihn Künstler in ihren Songs, darunter Bob Marleys „So Much Things To Say“.

Alexander Bustamante

Alexander Bustamante war der erste Premierminister Jamaikas, sowie der Bürgermeister von Kingston.
Am 24. Februar 1884 wurde William Alexander Clarke, als Sohn eines irischstämmigen Landarbeiters geboren. Der Name Bustamante stammt nach seinen eigenen Angaben von einem iberischen Kapitän mit dem er in seiner Jugend befreundet war.
Im Alter von 21 Jahren verließ er Jamaika um die Karibik und die USA zu bereisen. Unter anderem arbeitete er in Cuba als Polizist, sowie in New York als Diätetker. Erst im Jahre 1932 kehrte er in seine Heimat zurück und wurde dort Anführer einer Widerstandsbewegung gegen die britische Kolonialverwaltung. Er schrieb verschiedene Briefe an die Zeitung Daily Gleaner und machte somit erstmals auf sich aufmerksam. 1937 wurde er Schatzmeister der Jamaika Worker`s Union und während des Arbeiteraufstands im Folgejahr war er Sprecher der streikenden Arbeiter. Nun wurde auch aus der Worker’s Union die Industriegewerkschaft Bustamante Industrial Trade Union und im Zuge dessen Alexander Bustamante zum Chief. Zur selben zeit beteiligte er sich außerdem an der Gründung der PNP, People’s National Party und wenige Jahre später auch der Jamaica Labour Party (JLP). Zwischenzeitlich wurde er aber für etwa zwei Jahre verhaftet, aufgrund von „subversiver Aktivitäten“.
Durch ein Zusammenwirken von PNP und JLP, konnte tatsächlich eine Verfassungsreform bewirkt werden, die 1944 das allgemeine Wahlrecht garantierte. Bei anschließenden Wahlen gewann die JLP 22 von 32 möglichen Sitzen und Bustamante wurde somit zum inoffizieller Regierungschef und 1953 schließlich zum Chief Minister. !955 verlor die Partei die Mehrheit zwar, doch nachdem Jamaika 1962 unabhängig von Großbritannien wurde, konnte Bustamante wieder die Oberhand gewinnen und ging somit als erster Premierminister von Jamaika in die Geschichte ein.
1969 wurde er mit Manley zu einem der sieben offiziellen Nationalhelden der Insel ernannt.

Marcus Mosiah Garvey

Marcus Mosiah Garvery war ein afroamerikanischer Politiker und Publizist, der als radikaler Panafrikanist und Begründer des sogenannten Black Zionism bekannt wurde und ebenfalls zum Nationalhelden ernannt wurde.
Garvey lebte lange Zeit in London und New York City, wo er sich als Sprecher, Verbandspolitiker, Publizist und Impresario betätigte. 1914 gründete er die Universal Negro Improvement Association (UNIA), die mit Uniformen und Aufmärschen auf sich aufmerksam machte und eine Rückkehr aller Schwarzen nach Afrika propagierte. Zu diesem Zweck gründete Garvey eine Schifffahrtsgesellschaft, die Black Star Line.

Jede Zusammenarbeit mit den Weißen lehnte er ab und strebte nach einer Rassentrennung. Dabei kooperierte er sogar mit dem Ku-Klux-Klan, weil ihm „offene Feinde der Schwarzen lieber seien als vermeintliche Freunde“.
Als Garvey in den 1920er Jahren die Krönung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie voraus sagte, trug er damit zur Entstehung der Rastafari-Bewegung in seiner jamaikanischen Heimat bei. Er selbst ernannte sich zum „Präsidenten von Afrika“, verlieh Adelstitel, gründete eine „Afrikanische Legion“ und eine „Afrikanische orthodoxe Kirche“. 1923 verweigerte ihm die Regierung Liberias das Gründen einer Siedlung. Im selben Jahr wurde Garveys Schifffahrtslinie allerdings zahlungsunfähig und die US-Behörden nutzten die Gelegenheit, um ihn wegen betrügerischen Bankrotts für mehrere Jahre hinter Gitter zu bringen, woraufhin er 1927 nach Jamaika abgeschoben wurde. Obwohl sein persönlicher Einfluss zurückging, sind seine politischen Vorstellungen einflussreich geblieben.
Im Jahr 1940 starb Marcus Mosiah Garvey in London und wurde erst im Jahr 1964 nach Jamaika überführt und im National Shrine of Jamaika beigesetzt.

George William Gordon

George William Gordon lebte von ca. 1820 bis zum 23. Oktober 1865. Er war ein ehemaliger Sklave und späterer Politiker, der am Morant-Bay-Aufstand beteiligt war.
Heute wird er als einer der sieben Nationalhelden Jamaikas verehrt und ging somit in die Geschichte des Landes ein.
Gordon wurde als Sklave geboren, erlangte aber 1838 seine Freiheit und wurde Landbesitzer und Geschäftsmann auf Jamaika. Er war Mitglied der Nationalversammlung Jamaikas und fiel dort durch Kritik an der Kolonialpolitik Großbritanniens auf.
Wie auch Gordons Mitstreiter Paul Bogle, nahm er am Morant-Bay-Aufstand teil, um gegen die schlechte Lage der ehemaligen Sklaven zu kämpfen. Er war nicht direkt an den Gewalttaten beteiligt, galt aber als deren geistiger Urheber. Nach der blutigen Beendigung des Aufstandes wurde Gordon inhaftiert und wenig später zum Tode verurteilt. Heut gilt er als der Vordenker des jamaikanischen Nationalismus.

Norman Washington Manley

Norman Washington Manley wurde am 4. Juli 1893 in Roxborough Manchester auf Jamaikageboren und war ein jamaikanischer Politiker, der unter dem Titel The Right Excellent Norman Washington Manley zu den sieben Nationalhelden des Landes gehört.
Zusammen mit Alexander Bustamante setzte er sich für ein allgemeines Wahlrecht ein und erreichte seinen größten Erfolg mit der Unabhängigkeit Jamaikas vom Vereinigten Königreich.
Manley gründete 1938 mit Bustamante die linksgerichtete People’s National Party (PNP), die sich später dem Trade Union Congress und der National Workers‘ Union anschloss. Er führte die Partei bei allen Wahlen von 1944 bis 1967.
Norman Washington Manley war vom 2. Februar 1955 bis zum 29. April 1962 oberster Minister (Chief Ministers). Kurz vor seinem Tod wurde er zum Nationalhelden erklärt. Heute tragen verschiedene Orte und Gebäude seinen Namen und auf der Fünf-Dollar-Münze ist sein Kopf abgebildet.

Granny Nanny

Granny Nanny lebte von 1700 bis 1740 und ist die einzige Frau auf der Liste der Nationalhelden von Jamaika.
Nanny war eine Anführerin der Maroons Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie gehörte zum Volk der Ashanti im heutigen Ghana und wurde wahrscheinlich zusammen mit fünf ihrer Brüder als Sklavin nach Jamaika verschleppt. Wegen der brutalen Behandlung der weiblichen Sklaven von ihren Besitzern, entschlossen sich Nanny und ihre Brüder zu fliehen und bildeten eine eigene Maroon-Gruppe. Nach der Flucht trennten sie sich und Nanny zog in die Blue Mountains im Nordosten der Insel.
Nanny wird in Legenden und Dokumenten als eine Frau mit außergewöhnlichen Führungsqualitäten beschrieben und soll an der Befreiung von mehr als 800 Sklaven beteiligt gewesen sein.

Samuel Sharpe

Auch Samuel Sharpe einer der sieben Nationalhelden. Er wurde 1801 auf Jamaika geboren und lebte gerade einmal 31 Jahre, da er 1831 den Weihnachtsaufstand in Montego Bay anführte und im Folgejahr zusammen mit anderen Aufständischen hingerichtet wurde.
Doch die Rebellion zog zwei detaillierte parlamentarische Untersuchungen nach sich, die dazu beigetragen haben, die Sklaverei im Jahr 1833 durch das Slavery Abolition Act zu beenden.

Heute steht an seinem Hinrichtungsort ein Denkmal, welches den Nationalhelden ehrt.